Bauwasser ist die unverzichtbare Basis jeder Baustelle – vom Anmischen des Betons bis zur Reinigung der Maschinen. Doch die Versorgung über ein Standrohr oder einen festen Anschluss unterliegt strengen technischen und hygienischen Vorschriften. Fachgerechte Planung spart nicht nur Kosten bei der Abwassergebühr, sondern verhindert auch schwerwiegende Haftungsrisiken durch Kontamination des Trinkwassernetzes.
Unter Bauwasser versteht man die temporäre Entnahme von Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz für bauliche Zwecke, bevor der finale Hausanschluss in Betrieb geht. Dieser Ratgeber bietet Bauleitern, Architekten und professionellen Bauherren technisches Tiefenwissen zur sicheren Versorgung und zeigt Alternativen durch mobile Tanklösungen auf.
Key Takeaways für Entscheider
- Rechtskonformität: Die Entnahme aus Hydranten ist gemäß TrinkwV und DIN EN 1717 nur mit zugelassenen Standrohren und Systemtrennern (Bauart BA) zulässig.
- Kosteneffizienz: Durch den Antrag auf Befreiung von der Abwassergebühr lassen sich die laufenden Wasserkosten oft um über 50 % senken.
- Infrastruktur-Lösung: Wenn kein Hydrant verfügbar ist, sichern mobile Wassertanks und Tankanhänger von zieglmeier.de die Versorgung unabhängig vom Leitungsnetz.
Die Herausforderung: Versorgungssicherheit und Hygiene auf der Baustelle
Jedes Bauvorhaben beginnt mit der Infrastruktur. Die Diskrepanz zwischen Wasserbedarf (z.B. für Betonarbeiten, Staubbindung) und der Verfügbarkeit vor Ort stellt Bauleiter oft vor Probleme. Öffentliche Leitungen liegen teils weit entfernt, der Wasserdruck schwankt, oder die Bürokratie verzögert die Freigabe.
Zudem sind die Anforderungen an die Trinkwasserhygiene massiv gestiegen. Das öffentliche Netz ist kritische Infrastruktur. Ein Rückfließen von verunreinigtem Baustellenwasser in das Trinkwassernetz muss technisch ausgeschlossen werden. Wer hier am falschen Ende spart (z.B. durch Verzicht auf Systemtrenner), riskiert nicht nur Baustopps, sondern strafrechtliche Konsequenzen.
Was ist Bauwasser und wofür wird es benötigt?
Technisch handelt es sich bei Bauwasser in Deutschland um Trinkwasser, das bis zum Übergabepunkt (Wasseruhr/Standrohr) die Qualitätsstandards der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) erfüllt.
Typische Einsatzgebiete:
- Baustoffherstellung: Anmischen von Mörtel, Beton, Estrich und Putz.
- Reinigung: Säubern von Schalungen, Fahrzeugen und Werkzeugen.
- Erhaltung: Nachbehandlung von Beton (Curing) zur Vermeidung von Trocknungsrissen.
- Immissionsschutz: Staubbindung bei Abbrucharbeiten oder Erdbewegungen.
Experten-Tipp: Unterschätzen Sie nicht den Bedarf für die Beton-Nachbehandlung. In Sommermonaten sind hierfür große Wassermengen nötig, die oft die Kapazität eines Standard-Anschlusses übersteigen. Mobile Pufferspeicher (IBC-Tanks) sind hier eine bewährte Lösung zur Spitzenabdeckung.
Bauwasser beantragen: Ablauf, Fristen und Dokumente
Der Antragsprozess variiert je nach lokalem Versorger (Stadtwerke/Zweckverband), folgt aber einem festen Schema. Planen Sie hierfür 4 bis 8 Wochen Vorlaufzeit ein.
Der Prozess im Überblick
- Antragstellung: Muss meist durch einen im Installateurverzeichnis eingetragenen Fachbetrieb (VIU) erfolgen.
- Genehmigung: Der Versorger prüft die Netzkapazität und legt den Anschlusspunkt fest.
- Installation: Setzen des Standrohrs oder Erstellung des vorverlegten Hausanschlusses.
Notwendige Unterlagen
- Amtlicher Lageplan (M 1:500 oder 1:1000).
- Grundrissplan (Kennzeichnung des Hausanschlussraums).
- Formular „Antrag auf Anschluss an die Wasserversorgung“.
- Schätzung des Spitzenbedarfs (zur Dimensionierung der Zählergröße).
Technische Umsetzung: Standrohr vs. Bauwasseranschluss
Die Wahl der Anschlussart hängt von der Projektdauer, der Jahreszeit und den örtlichen Gegebenheiten ab.
1. Das Standrohr zur Miete (Temporär & Flexibel)
Das Standrohr wird auf einen Unterflurhydranten (ovaler Straßendeckel) oder Überflurhydranten aufgesetzt. Es enthält einen Wasserzähler und Zapfventile.
- Voraussetzung: Hydrantenschlüssel und Systemtrenner.
- Einsatz: Kurz- bis mittelfristige Projekte.
- Risiko: Nicht frostsicher; muss im Winter täglich abgebaut oder aufwendig isoliert werden.
2. Der vorverlegte Bauwasseranschluss (Stabil & Winterfest)
Der spätere Hausanschluss wird vorab auf das Grundstück verlegt und endet in einem frostsicheren Schacht oder einer isolierten Box.
- Einsatz: Langzeitbaustellen und Winterbauphasen.
- Vorteil: Keine tägliche Miete, höhere Betriebssicherheit.
Entscheidungshilfe: Standrohr oder fester Bauwasseranschluss?
| Kriterium | Standrohr (Miete) | Fester Bauwasseranschluss |
| Kostenstruktur | Miete + Kaution + Verbrauch | Einmalige Erstellung + Verbrauch |
| Verfügbarkeit | Sofort (nach Kaution) | 4–8 Wochen Vorlaufzeit |
| Wintertauglichkeit | Gering (Frostgefahr) | Gut (bei Isolierung/Schacht) |
| Sicherheit | Mittel (Diebstahlgefahr) | Hoch |
| Haftung | Hoch (Nutzer verantwortlich) | Geringer (Feste Installation) |
Sicherheit & Hygiene: Systemtrenner und DIN-Normen
Für Profis ist die Einhaltung der DIN EN 1717 und DIN 1988-100 nicht verhandelbar. Ein Bauwasseranschluss verbindet eine hygienisch kritische Umgebung (Baustelle) mit dem sauberen Trinkwassernetz.
Warum ein Systemtrenner (Bauart BA) Pflicht ist
Ein einfacher Rückflussverhinderer reicht auf Baustellen nicht aus. Bei einem Druckabfall im Netz (z. B. durch einen Rohrbruch in der Nachbarschaft) könnte verunreinigtes Wasser von der Baustelle in das öffentliche Trinkwassernetz gesaugt werden.
- Vorschrift: Die DIN EN 1717 schreibt für diesen Fall einen Systemtrenner der Bauart BA vor.
- Konsequenz: Wer darauf verzichtet, riskiert Bußgelder, die sofortige Stilllegung der Wasserentnahme und horrende Regressforderungen im Falle einer Netzkontamination.
Hygiene-Checkliste für Bauleiter
- Spülen: Nach jedem Wochenende oder Stillstand (> 24h) Leitungen spülen, bis das Wasser klar und kalt ist.
- Schatten: Schläuche (besonders PE und C-Schläuche) vor direkter Sonneneinstrahlung schützen, um Legionellenbildung zu verhindern.
- Material: KTW-A zugelassene Schläuche verwenden, wenn das Wasser auch für Sanitärcontainer genutzt wird. 4. Rückbau: Totleitungen (nicht durchströmte Abschnitte) sofort vom Netz trennen.
Die professionelle Alternative zum Anschluss
In vielen Szenarien ist ein klassischer Bauwasseranschluss unwirtschaftlich oder technisch nicht realisierbar – etwa bei fehlenden Hydranten, im Straßenbau oder in Naturschutzgebieten. Als WHG-zertifizierter Fachbetrieb bietet zieglmeier.de hierfür skalierbare Lösungen.
Unabhängige Versorgung durch mobile Tanks
- IBC-Wassertanks (1.000 – 10.000 Liter): Dienen als Pufferspeicher oder Brauchwasser-Reservoir. Ideal für die Staubbindung oder als Vorrat für Betonierarbeiten.
- Wasser-Tankanhänger: Ermöglichen den Transport von Wasser zur Baustelle. Zugelassen für den Straßenverkehr, robust und flexibel einsetzbar.
Ihre Vorteile mit zieglmeier.de
- Verfügbarkeit: Wir liefern Tanks und Zubehör bundesweit, damit Ihr Baufortschritt nicht stagniert.
- Qualität: Robuste Behälter, die dem harten Baustellenalltag standhalten.
- Beratung: Wir dimensionieren die Speichergröße passend zu Ihrem Projektbedarf.
Sparpotenzial: Befreiung von der Abwassergebühr
Normalerweise ist die Abwassergebühr an die Frischwassermenge gekoppelt. Da Bauwasser jedoch im Baukörper verbleibt (gebunden im Beton) oder auf dem Grundstück versickert, wird es nicht in die Kanalisation eingeleitet.
Handlungsempfehlung: Stellen Sie einen formlosen Antrag auf „Absetzung nicht eingeleiteter Wassermengen“ beim lokalen Entsorger. Dies senkt die variablen Wasserkosten oft um 50 % bis 60 %.
Kostenfaktoren
- Genehmigungs-/Anschlussgebühr: Einmalig ca. 100 € – 300 €.
- Standrohr-Miete: Täglich ca. 1,50 € – 3,00 €. (Beispiel: 6 Monate Bauzeit = ca. 360 € Miete).
- Kaution: Sicherheitsleistung für das Standrohr, meist 500 € – 1.000 €.
- Verbrauch: Ca. 1,50 € – 2,50 € pro m³ (Netto).
Tipp: Befreiung von der Abwassergebühr
Der größte Kostenhebel: Normalerweise entspricht die Abwassergebühr der Frischwassermenge. Da Bauwasser jedoch im Baukörper verbleibt (Beton) oder versickert, fällt kein Abwasser an.
Handlungsempfehlung: Stellen Sie einen formlosen Antrag auf „Absetzung nicht eingeleiteter Wassermengen“ beim Entsorger. Voraussetzung ist der geeichte Zähler im Standrohr. Dies senkt die variablen Kosten oft um 50 % bis 60 %.
Rechtliches & Haftung
Darf ich Bauwasser vom Nachbarn beziehen?
Im gewerblichen Bereich ist dies unprofessionell und risikoreich.
- Satzungsverstoß: Die Weiterleitung an Dritte ist in den meisten Wasserversorgungssatzungen untersagt.
- Abrechnungsbetrug: Der Nachbar zahlt Abwassergebühren für Wasser, das nicht eingeleitet wird.
- Haftung: Fehlt der Systemtrenner beim Schlauchanschluss, haftet der Anschlussinhaber (Nachbar) für Netzverunreinigungen.
Wer haftet bei Wasserschäden?
Platzt ein Schlauch am Standrohr, entstehen schnell Schäden im fünfstelligen Bereich (Unterspülung, Kellerflutung).
- Versicherung: Schäden sind meist über die Bauherrenhaftpflicht gedeckt.
- Obliegenheitspflicht: Der Wasserhahn am Hydranten muss bei Arbeitsende (insb. Wochenende) geschlossen werden. Ein permanent unter Druck stehender Schlauch ohne Aufsicht gilt als grob fahrlässig – der Versicherungsschutz kann entfallen.